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"Das Unternehmen in den Mittelpunkt stellen" Artikel in Salzburger Wirtschaft vom 06.11.2009
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Das Unternehmen in den Mittelpunkt stellen

Salzburger Wirtschaft vom 06.11.2009

Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Fredmund Malik war Gastredner beim ersten Salzburger Family Business Kongress. Laut Malik befinden wir uns nicht nur in einer der schwersten Wirtschaftskrisen seit Jahrzehnten, sondern in einer der größten Transformationsphasen in der Geschichte.

Eine Transformation von einer alten in eine neue Welt - ohne Rückkehr: "Die alte Welt mit ihren Wachstumsvorstellungen geht zu Ende. Die aktuelle Krise ist die Geburtswehe der neuen Welt. Jetzt müssen wir umsteigen, wenn wir auf einer Kurve der Nachhaltigkeit wachsen wollen. Wer das begreift und umsetzt, wird künftig die Nase weit vorne haben." Malik bedient sich in seiner Managementtheorie der Erkenntnisse der Kybernetik mit ihren Steuerungsmechanismen und der Bionik, die sich die Natur zum Vorbild nimmt. "Die Natur lässt die Raupe auch nicht endlos wachsen, sondern sie macht etwas Neues daraus. Der Schmetterling löst die Raupe ab. Aber nicht weil die Raupe zu Grunde geht, entsteht der Schmetterling. Das ist die alte Kausalität. Vielmehr liegt es daran, dass der Schmetterling ans Licht will. Genauso muss nun auch die alte Welt weichen, weil eine neue entsteht."

US-Managementals Krisenfaktor

Hart ging Malik mit der Managementkultur ins Gericht, wie sie derzeit gelebt werde: "Die Quelle des Übels ist die amerikanische Art von Management, etwa die Corporate Governance - die Führung und  Überwachung von Unternehmen - oder die Überbetonung des Shareholder Value. Das hat zur größten geistigen Fehlleitung geführt", ist Malik überzeugt. Diese Art von Management konnte laut Malik nur deshalb so dominant werden, weil sie an vielen Business Schools weltweit als das Nonplusultra gelehrt wurde: "Nehmen Sie beispielsweise das Unternehmen Lehman Brothers, das vor einem Jahr scheinbar die Krise ausgelöst hat, obwohl es auch ein ganz anderes Unternehmen hätte sein können. 70% der führenden Manager bei Lehmann Brothers waren Absolventen von Harvard, Stanford oder einer anderen Eliteuniversität. Dieses Debakel hätte man auch billiger haben können. Banken in die Pleite reiten, das können auch Zehnjährige. Allerdings kosten die weniger."

Als positives Beispiel nannte Malik die Familienunternehmen, die sich größtenteils entschieden haben, nicht an die Börse zu gehen. Dafür hat er auch entsprechende Gründe parat: "Familienunternehmen wollten sich nicht dem Terror der Finanzwelt aussetzen. Diese Unternehmer wollten sich nicht schon zum Frühstück von 25-jährigen, schnell ausgebildeten Anlageberatern sagen lassen, wie sie ihre Firma führen sollen." Einen in Österreich neuartigen Weg in der Managementausbildung geht man in der Salzburg Management Business School (SMBS). Im März 2010 startet man mit einem Managementlehrgang mit besonderem Augenmerk auf Familienunternehmen. 

Wie man ein UGU wird

 Zur Betonung einer neuen Unternehmenskultur führte Malik den Begriff des UGU ein. Das Wort, das an Urwaldbewohner erinnert, ist eine Abkürzung für "Unternehmerisch geführte Unternehmen". Malik erklärte diese neue Kategorie folgendermaßen: "UGU tun das Gegenteil von dem was das US-Management propagiert. Sie orientieren sich nicht am Shareholder Value, sondern an dem, was man heute in den Lehrbüchern nicht mehr findet, am Costumer Value, also am Kunden." Dementsprechend appellierte Malik an die Teilnehmer des Kongresses, das Unternehmen in den Mittelpunkt zu stellen. Die Zufriedenheit des Kunden solle quasi als Polarstern für die unternehmerische Orientierung fungieren. Als weiteren Bezugspunkt nannte er die Konkurrenz, die man beachten sollte, um die eigene Konkurrenzfähigkeit zu stärken. Gutes Management beginne allerdings erst dort, wo man nicht mehr quantifizieren könne, wo die Betriebswirtschaft alleine nicht mehr ausreiche und man dennoch handeln müsse.

Neues "Leadership" gefordert

In seinem Schlusswort forderte Malik eine neue Form des "Leadership" ein. Er verwies dabei auf die Logotherapie des österreichischen Psychotherapeuten Viktor Frankl: "Wir können den Menschen zwar keinen Sinn geben, aber wir können etwas dafür tun, dass sie ihren Sinn finden können in dem, was sie in unseren Firmen tun. Ich habe in den vielen Jahren nur etwa 5% an Führungskräften erlebt, die davon etwas gewusst hätten. Die meisten wussten alles über die gängigen Motivationstheorien, die sich leer zu drehen beginnen. Die Sinnmotivation hingegen setzt Kräfte frei, die man vielleicht gerade jetzt benötigt, um ein Unternehmen durch diese turbulenten Zeiten zu führen."