Reform der onkologischen Betreuung in Südtirol

Reform der onkologischen Betreuung in Südtirol

6.06.2016

Die Reform der onkologischen Betreuung:
Ende 2011 hat Dr. Armanaschi, Direktor für die klinische und strategische Entwicklung des Südtiroler Sanitätsbetriebes, unterstützt vom Sanitätsdirektor sowie von der Landesregierung und mit Hilfe eines internationalen, wissenschaftlichen Komitees, ein innovatives Projekt angestoßen, um die onkologische Betreuung in den öffentlichen Krankenhäusern zu verbessen. Dies sollte durch die Konzentration von chirurgischen Leistungen an auserwählten Standorten und durch die Verstärkung der wohnort- und bürgernahen Betreuung der onkologischen Patienten erreicht werden. Aus chirurgischer Sicht belegen wissenschaftliche Studien eine Steigerung der Überlebenschancen der onkologischen Patienten von 5 bis 15% unter Einhaltung:

  • einer Mindestanzahl an chirurgischen Eingriffen für jedes Krankheitsbild pro Operateur;
  • einer ausreichenden Erfahrung sowie einer kontinuierliche Aus- und Weiterbildung des Operateurs; und
  • eines strukturierten, interdisziplinären Austausches in spezifischen, onkologischen Netzwerken.

Nach einer einjährigen, intensiven Studie zur Definition und Umschreibung der Reform wurde 2013 grünes Licht zur Planung und zur Umsetzung der Reform gegeben. Heute liegen – dank auch der Anwendung von strukturierten Managementstrategien aus dem MBA-Universitätslehrgang der SMBS – folgende Ergebnisse in Südtirol vor:
1.     Einführung des Credentialing und Priviledging System,
2.     Personalentwicklungskonzept (Kompetenzmatrix),
3.     Software für jedes Krankheitsbild,
4.     Raster der Indikatoren und internationales Benchmarking,
5.     Betriebliche Tumorboards anhand Videokonferenzen,
6.     Einbeziehung der Patientenorganisationen (z.B.: Internetportal „Krebsinfo“), und
7.     die ISO-Zertifizierung von rund 30 Abteilungen und Dienste des Südtiroler Sanitätsbetriebes.
Besonders hervorgehoben seien die onkologischen Netzwerke in den Fachbereichen Allgemeinchirurgie, Gynäkologie, HNO und Urologie, welche sich wöchentlich in Videokonferenzen treffen – den sogenannten Tumorboards –, um die dokumentierte Diagnose aller onkologischen Patienten sowie die vorgeschlagene Therapie aus einer interdisziplinären und ganzheitlichen Perspektive zu besprechen.
Im Biennium 2016–2017 werden die klinischen Zertifizierungen durchgeführt, insbesondere in den Fachbereichen Allgemeine Chirurgie und Urologie (Deutsche Krebsgesellschaft), im Brustbereich (EUSOMA) und im gesamten HNO-Bereich (AIOC – italienische Fachgesellschaft für den Bereich Kopf-Hals Tumoren).
Prämierungen & Präsentationen

  • 2016: Auszeichnung für „Digitale Innovation im Gesundheitswesen”, Technische Fachhochschule Mailand
  • 2016: „E.T. Award 2016“, der österreichische Telemedizin-Preis für innovative Patientenkommunikation zum Anlass der Tagung eHealth Summit Austria, Wien.
  • 2014: Tagung für Primaren und Führungskräften des Sanitätsbetriebes Modena, Modena
  • 2014: „Umsetzung von Qualitätsstandards am Beispiel Südtirols”, 9° Forum Risk Management, Arezzo
  • 2013: Best-Practice Modell „Zertifizierung der onkologischen Chirurgie – Das Modell der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol” auf Einladung der Nationalen Agentur der regionalen Gesundheitssysteme „Agenas“ und der Vereinigung der Chirurgie-Primare Italiens „ACOI“, Rom